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Wie manche Schweizer mehr als CHF 100 000 vergessenes BVG entdecken.

Fünf reale Fälle von BVG-Funden zwischen CHF 70 000 und CHF 245 000. Warum diese Beträge möglich sind, wer am stärksten betroffen ist und wie man die eigene Situation prüft.

Par Pillarum
Article éditorial · sources vérifiées
6 min de lecture
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Wenn von vergessenen BVG-Guthaben die Rede ist, denken viele an bescheidene Beträge: höchstens ein paar Tausend Franken. Die Realität ist nuancierter. Auf gesamtschweizerischer Ebene verwaltet die Auffangeinrichtung BVG ~CHF 6 Milliarden, verteilt auf ~950'000 kontaktlose Konten. Und jedes Jahr entdecken manche Personen, dass sie mehr als CHF 100'000 auf ihren Namen liegen haben — manchmal seit mehr als 15 Jahren.

Das Prinzip in einer Zeile
Die Grösse eines vergessenen BVG-Kontos hängt von drei Variablen ab: der Anstellungsdauer vor der Zersplitterung, dem damaligen Lohnniveau und der seither verstrichenen Zeit (Zinseszins). Wer vor 10–15 Jahren eine gut bezahlte Stelle verlassen hat, ohne zu übertragen, kann sechsstellige Beträge erreichen.

Fünf dokumentierte reale Fälle

2024 beobachtete Fälle — BVG-Funde > CHF 70 000
ProfilKontextGefundener Betrag
IT-Kader, 52, GEImmobilienprojekt, BVG-Auszug von der Bank verlangtCHF 118 000
Selbstständige Ärztin, 48, VD5 Jahre Kantonsspital, dann PrivatpraxisCHF 245 000
Ingenieur, 55, BS4 Arbeitgeber über 18 Jahre, Umzug nach ZugCHF 167 400
Finanzkader, 49, ZHSabbatical 2014–2015, Freizügigkeitsstiftung vergessenCHF 93 700
Erbe (Vater verstorben)Vater 1985–2002 in CH tätig, nie bezogenCHF 89 500
Source : Pillarum — Synthese anonymisierter Fälle 2024 (gerundete Beträge)

Warum diese Beträge erheblich sein können

Die 2. Säule sammelt drei Flüsse an:

  • Arbeitnehmerbeiträge (vom Nettolohn abgezogen).
  • Arbeitgeberbeiträge (zusätzlich zum Lohn einbezahlt).
  • Jährlich gutgeschriebene Zinsen der Institution (BVG-Mindestzins: 1,25 % in 2024, oft höher im Überobligatorium).

Bei einem Lohn von CHF 95'000 erreichen die kumulierten jährlichen Beiträge (Arbeitnehmer + Arbeitgeber) je nach Alter ~CHF 11'000 bis 17'000 (Altersgutschriften BVG Art. 16). Über 5 Anstellungsjahre kann das gebildete Kapital damit CHF 70'000 übersteigen. Mit 15 weiteren Jahren Kapitalisation ohne Bezug nähert es sich leicht CHF 130'000.

Cas concret
Musterfall — 52-jähriges Kader, 15 Jahre nach vergessener Stelle

2009 eine Genfer Kaderstelle (Lohn CHF 110'000) nach 5 Jahren Anstellung verlassen. BVG-Guthaben an eine Freizügigkeitsstiftung übertragen, nie zurückgefordert. Anfangskapital beim Austritt: CHF 78'000.

Hypothèses
BVG-Kapital beim Austritt (2009)
CHF 78 000
Durchschnittlicher Zinssatz auf 15 Jahre
~1,75 %
Jährliche Verwaltungsgebühren (Stiftung)
~0,4 %
Résultats
Effektives Kapital Ende 2024
CHF 99 800
Bruttowachstum
+CHF 21 800
Bei Entdeckung mit 65 (15 Jahre mehr)
CHF 127 500
Der reine Zeitfaktor multipliziert das Anfangskapital über 30 Jahre um 1,6. Deshalb kann ein vor 10–15 Jahren vergessenes Konto heute einen erheblichen Betrag darstellen.

Welche Profile am meisten betroffen sind

Profile mit grösstem Risiko von Funden > CHF 70 000
ProfilGrund
Kader mit ≥ 5 Jahren bei einem gut bezahlten Arbeitgeber, dann WechselHohes gebildetes Kapital, Zersplitterung beim Wechsel
Ärzte / Freiberufler, die an einem Kantonsspital tätig warenÖffentlich-rechtliche Kantonalkassen mit vorteilhafter Verzinsung
Erben einer Person, die > 10 Jahre in der Schweiz tätig warBVG-Konto des Verstorbenen nie bezogen, an Erben übertragbar
Expats, die nach 8+ Jahren in der CH ins Heimatland zurückgekehrt sindHohes Kapital, EU/EFTA-Übertrag nicht ausgeführt (FZG Art. 25f)
Grenzgänger, die Kanton oder Arbeitgeber ≥ 3 Mal gewechselt habenReihe unvollständiger Übertragungen auf einer grenzüberschreitenden Karriere
Kader mit langer Sabbatical-Phase, dann Rückkehr in einen anderen KantonGuthaben in einer Stiftung, bei der Rückkehr vergessen
Source : Pillarum — Analyse der Dossiers 2022–2024

Warum es so lange unsichtbar bleibt

Vier stille Mechanismen sorgen dafür, dass ein BVG-Konto 10, 20 oder gar 30 Jahre schlummern kann:

  1. Keine proaktive Benachrichtigung. Die Institutionen senden einen Jahresauszug an die letzte bekannte Adresse. Sind Sie ohne Meldung umgezogen, gehen diese Briefe verloren. Standardmässig wird kein Verfahren in Gang gesetzt.
  2. Fusionen und Namensänderungen. Stiftungen fusionieren regelmässig. Ihr Konto bei „XYZ Freizügigkeit" liegt jetzt bei „ABC Vorsorge". Die gedankliche Verbindung geht verloren.
  3. An die Auffangeinrichtung übertragene Konten. Nach einer gewissen Zeit ohne Kontakt übertragen die Stiftungen die Guthaben an die Auffangeinrichtung BVG. Sie müssen es wissen, um es dort einzufordern.
  4. Nur eine sichtbare Kasse. Viele meinen, der Jahresauszug der aktuellen Kasse spiegle ihre gesamte Vorsorge wider. Das ist falsch: Er spiegelt nur die übertragenen Guthaben wider, nicht die in der Vergangenheit liegen gebliebenen Konten.
Glauben, davon wüsste man — der häufigste Irrtum
„Hätte ich ein BVG-Konto anderswo, wüsste ich davon." Diese Intuition trifft in den meisten Fällen nicht zu. Institutionen rufen Sie nicht an, um Sie zur Abholung Ihres Geldes aufzufordern. Die Nachvollziehbarkeit beruht auf Ihrer aktiven Recherche.

Wie man prüft — die Methode

Drei Anlaufstellen, die für ein vollständiges Bild zu befragen sind:

  • Die Zentralstelle 2. Säule (Stiftung Auffangeinrichtung BVG) — kostenlose Anfrage, deckt kontaktlose Konten ab.
  • Die ~340 privaten Freizügigkeitsstiftungen — einzeln oder über eine gebündelte Vollmacht.
  • Die ~1'380 aktiven Pensionskassen — um allfällige „blockierte" Guthaben zu prüfen, die ein früherer Arbeitgeber nicht übertragen hat.

Eigenständig: rechnen Sie mit 4 bis 8 Monaten individualisierter Korrespondenz. Über Pillarum: Eine einzige Vollmacht fragt die 3 Quellen parallel ab — konsolidiertes Ergebnis in 4 bis 6 Wochen.

Prüfen Sie, ob Sie vergessene Konten haben.
Vollständige Suche bei den ~1'500 Schweizer Institutionen + der Zentralstelle 2. Säule. Für Privatpersonen kostenlos. 4 bis 6 Wochen.

Wenn Sie ein vergessenes Konto finden — was dann

Sobald ein BVG-Guthaben gefunden ist, mehrere Optionen:

  • Es vor Ort lassen in der Freizügigkeitsstiftung und die Gebühren überwachen (siehe unseren Gebührenvergleich).
  • An Ihre aktive Pensionskasse übertragen (falls sie freiwillige Einkäufe akzeptiert).
  • Zusammenfassen in einer besser verzinsten oder strategischeren Stiftung (siehe Konto oder Police).
  • Beziehen, falls Sie sich in einer dies erlaubenden Lage befinden (Wegzug aus der Schweiz, Selbstständigkeit, WEF-Wohneigentumserwerb).
À retenir
  • 01BVG-Funde > CHF 100'000 sind regelmässig, vor allem bei Kadern, Ärzten, Expats, Erben.
  • 02Die Unsichtbarkeit dieser Konten kommt daher, dass die Institutionen nicht aktiv warnen — die Nachvollziehbarkeit hängt von Ihrer Recherche ab.
  • 03Eine Prüfung befragt 3 Quellen: Zentralstelle 2. Säule + Freizügigkeitsstiftungen + aktive Kassen.
  • 04Eigenständig: 4 bis 8 Monate. Über eine gebündelte Vollmacht: 4 bis 6 Wochen.

Um zu verstehen, wie die Zersplitterung entsteht, lesen Sie unseren Artikel zur beruflichen Mobilität. Für den vollständigen Freizügigkeitsleitfaden, unsere Referenz. Um zu wissen, wer was zwischen Kassen, Stiftungen und Auffangeinrichtung macht, unser eigener Artikel.

Quellen & Referenzen

  1. Stiftung Auffangeinrichtung BVG — Kontaktlose Konten (Bericht 2024)
  2. RTS — Rund 5,6 Milliarden ungemeldeter Guthaben der 2. Säule
  3. BSV — Statistik der Pensionskassen

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