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Berufliche Mobilität und BVG: die unsichtbare Zersplitterung.

Arbeitgeberwechsel, Umzug, Pause: Jeder Übergang kann ein neues BVG-Konto schaffen. Mit 40 hat eine typische Karriere bereits 2 bis 4 potenziell verstreute Konten. Warum, wie prüfen.

Par Pillarum
Article éditorial · sources vérifiées
7 min de lecture
Veröffentlicht

Eine durchschnittliche Schweizer Karriere umfasst 5 bis 8 Arbeitgeber über 40 Jahre. Mehrere durchquerte Kantone. Manchmal eine Pause, ein Sabbatical, ein vorübergehender Wegzug ins Ausland. Jeder dieser Übergänge schafft ein stilles Risiko: die Zersplitterung Ihrer 2. Säule über mehrere Institutionen, ohne dass Sie es wissen. Schweizweit liegen ~950'000 kontaktlose Konten bei der Auffangeinrichtung BVG, mit rund CHF 6 Milliarden.

Das Prinzip in einer Zeile
Wenn Sie eine Stelle verlassen, muss Ihr BVG-Guthaben in die Kasse des neuen Arbeitgebers übertragen werden. Geschieht das nicht — oder gibt es keinen unmittelbaren neuen Arbeitgeber —, landet das Geld auf einem Freizügigkeitskonto. Vergessen Sie, es zu verfolgen, bleibt es dort. Manchmal 10, 20, 30 Jahre.

Warum sich das BVG mechanisch zersplittert

Das Schweizer System beruht auf der Portabilität der Vorsorge: Jeder Arbeitnehmer nimmt sein Kapital beim Arbeitgeberwechsel mit. Die Theorie ist solide. Die Praxis erzeugt drei Fallen:

  1. Verfehlter Transfer. Sie verlassen die Stelle, ohne neuen Arbeitgeber zu haben. Die Kasse hat 6 Monate Zeit, zu übertragen; geschieht das nicht, geht das Guthaben an die Auffangeinrichtung BVG. Fordern Sie es danach nicht ein, schlummert es dort.
  2. Transfer in eine Freizügigkeitsstiftung, die Sie vergessen. Sie haben beim Austritt aus einer Stelle ein Konto bei einer Stiftung eröffnet, aber bei einem späteren Arbeitgeber- oder Kantonswechsel den Faden verloren.
  3. Nicht mehr aktuelle Adresse. Die Institutionen senden eine Jahres-Mitteilung an die letzte bekannte Adresse. Sind Sie ohne Meldung umgezogen, gehen diese Briefe verloren — und das Konto wird allmählich „kontaktlos".

Risikoreiche Situationen

Typische Profile mit grösster BVG-Streuung
SituationRisiko eines vergessenen Kontos
Mehr als 4 Arbeitgeber während der KarriereSehr hoch
Interkantonale Umzüge (≥ 2)Hoch
Arbeitslosigkeit von mehr als 6 MonatenHoch
Vorübergehender Wegzug ins Ausland, dann RückkehrSehr hoch
Phase selbstständiger TätigkeitHoch
Fusion / Übernahme eines früheren ArbeitgebersMittel-hoch
Kumulierte Teilzeitarbeit (mehrere Arbeitgeber)Mittel
Lineare Karriere bei 1–2 Arbeitgebern ohne UmzugNiedrig
Source : Pillarum — Synthese beobachteter Fälle 2024

Zwei konkrete Fälle

Cas concret
Laura, 38, „klassischer" mobiler Werdegang

Lehre in Freiburg, erste Stelle in Bern, Start-up in Zürich, Rückkehr nach Genf, KMU in Lausanne. 5 Umzüge, 4 Arbeitgeber in 15 Jahren.

Hypothèses
Aktuelle Kasse (Jahresausweis)
CHF 118 000
Vermutete Freizügigkeitskonten
2
Vollständige Suche durchgeführt
Nein
Résultats
Vergessenes Konto Nr. 1 (Stiftung Bern)
CHF 18 400
Vergessenes Konto Nr. 2 (Auffangeinrichtung)
CHF 27 600
Tatsächliches BVG-Kapital
CHF 164 000
Differenz vs. „sichtbares" Kapital
+CHF 46 000
Entdeckt, als ihre Bank für ein Immobilienprojekt einen vollständigen BVG-Auszug verlangt. Mit 38 entspricht das ~30 Jahren zusätzlicher Kapitalisation bis zur Pensionierung.
Cas concret
Julian, 39, 6 Arbeitgeber in 15 Jahren

Lehre, erster unbefristeter Vertrag, zwei Firmenwechsel, Sabbaticaljahr, Rückkehr in KMU, Multinationale. Wohnt in Lausanne.

Hypothèses
Aktuelle Kasse (Jahresausweis)
CHF 162 000
Sabbaticaljahr 2018 — wo ist das Guthaben?
Unbekannt
Erste Stelle (CHF ~22 000 eingezahlt)
Unbekannt
Résultats
Vergessenes Sabbatical-Konto
CHF 31 200
Vergessenes Konto erste Stelle
CHF 7 250
Tatsächliches BVG-Total
CHF 200 450
Differenz
+CHF 38 450
Julian dachte, alles liege in seiner aktuellen Kasse. Das ist der häufigste Irrtum: zu glauben, ein Arbeitgeberwechsel führe automatisch zum Übertrag in die neue Kasse.

Was es bei der Pensionierung kostet

Eine Streuung von CHF 40'000 mit 40 ergibt im Mittel CHF 75'000 Endkapital mit 65 (Kapitalisierung 2 %). Bei einem Umwandlungssatz von 5,5 % entspricht dies CHF 4'100 Jahresrente über 20 Pensionsjahre — also CHF 82'000 kumuliert.

Für grössere vergessene Beträge (CHF 80'000 und mehr, häufig bei mobilen Karrieren mit mehreren langfristigen Arbeitgebern) kann der entgangene Gewinn auf den Pensionierungshorizont CHF 150'000 übersteigen.

Je länger man wartet, desto komplizierter
Ein vergessenes Konto mit 40 zu finden, ist einfach. Mit 65 deutlich weniger: Institutionen haben fusioniert, den Namen geändert, sind umgezogen. Freizügigkeitsstiftungen schliessen und überweisen kontaktlose Guthaben an die Auffangeinrichtung BVG. Briefe stapeln sich in Archivdossiers. Je früher = desto weniger Reibung.

Wie man prüft — die vollständige Methode

Drei Quellen, die für ein vollständiges Bild zu befragen sind:

  1. Die Zentralstelle 2. Säule (Stiftung Auffangeinrichtung BVG, Bern). Sie zentralisiert die von den Freizügigkeitsstiftungen übertragenen kontaktlosen Guthaben. Kostenlose Anfrage, Antwort in wenigen Wochen.
  2. Die ~340 privaten Freizügigkeitsstiftungen (FINMA-Register). Sie müssen einzeln angefragt werden: Die Zentralstelle deckt nur das ab, was ihr übertragen wurde.
  3. Die ~1'380 aktiven Pensionskassen — um zu prüfen, ob ein ehemaliger Arbeitgeber ein „blockiertes" Guthaben auf Ihren Namen, das noch nicht übertragen wurde, hält.
Pillarum bündelt die 3 Schritte
Der Dienst befragt die Zentralstelle 2. Säule + die Freizügigkeitsstiftungen + die Schweizer Kassen mit einer einzigen Vollmacht. Sie erhalten die konsolidierte Liste in 4 bis 6 Wochen. Für Privatpersonen kostenlos.
Prüfen Sie, ob Sie vergessene BVG-Konten haben.
Wir befragen die ~1'500 Kassen und Stiftungen + die Zentralstelle 2. Säule. Kostenlos, unverbindlich, in 4 bis 6 Wochen.

Sobald die Konten gefunden sind — zentralisieren oder nicht?

Identifizieren genügt nicht. Sobald Ihre Konten bekannt sind, haben Sie mehrere Optionen:

  • Jedes Freizügigkeitskonto vor Ort lassen und Rendite und Gebühren überwachen (siehe unseren Gebührenvergleich).
  • In Ihrer aktuellen Kasse zentralisieren über einen freiwilligen Transfer (erkundigen Sie sich: nicht alle Kassen akzeptieren).
  • In einer besser verzinsten oder günstigeren Freizügigkeitsstiftung zusammenführen (siehe Konto oder Police).
  • Einen gestaffelten Bezug über mehrere Steuerjahre vorbereiten, um die kantonale Steuer bei der Pensionierung zu reduzieren.

Häufige Fehler

  1. Denken, die aktuelle Kasse spiegle alles. Sie spiegelt nur die übertragenen Guthaben. Alle früheren unvollständigen Übertragungen sind unsichtbar.
  2. Mit der Inventur bis zur Pensionierung warten. Das ist der schlechteste Zeitpunkt: 30+ Jahre Bewegungen zu rekonstruieren, verschwundene Institutionen, verlorene Archive.
  3. Glauben, die Zentralstelle 2. Säule genüge. Sie deckt nur die als „kontaktlos" deklarierten Guthaben ab. Nicht befragte aktive Stiftungen bleiben unsichtbar.
  4. Selbst alle anschreiben. Rechtlich möglich, aber 4 bis 8 Monate individualisierter Korrespondenz. Zeit ist der Feind der Genauigkeit.
À retenir
  • 01Eine mobile Karriere (≥ 3 Arbeitgeber, ≥ 2 Kantone, berufliche Pause) erzeugt fast immer verstreute BVG-Konten.
  • 02~950'000 kontaktlose Konten schlummern in der Schweiz, mit ~CHF 6 Mrd. (Auffangeinrichtung BVG, 2024).
  • 03Jetzt prüfen kostet 4–6 Wochen Aufwand. Bei der Pensionierung deutlich mehr.
  • 04Mit Pillarum die Zentralstelle 2. Säule + die ~1'500 Kassen/Stiftungen in einer einzigen Vollmacht befragen.

Um den Unterschied zwischen Kassen und Stiftungen zu verstehen, lesen Sie unseren Artikel wer macht was. Für den vollständigen Freizügigkeitsleitfaden, unsere Referenz. Für Phasen ohne Erwerbstätigkeit speziell, unser eigener Artikel.

Quellen & Referenzen

  1. FZG (SR 831.42) — Freizügigkeitsgesetz
  2. Stiftung Auffangeinrichtung BVG — Kontaktlose Konten
  3. BSV — Statistiken zur beruflichen Vorsorge

5 Minuten. Eine Vollmacht. In 4 bis 6 Wochen wissen Sie, wo Ihre Guthaben liegen.